Das Geschenk

Das Geschenk
"Ender 3" bis "Ender 3 by MaWi"

Alles begann am 3. Mai 2023. Ich habe zum Geburtstag von meinen damaligen Mitarbeitern eine große und schwere Schachtel bekommen. Die Beschriftung sagte mir zu diesem Zeitpunkt nicht viel: „Ender 3 von Creality“. Was mag das sein? Da ich schon immer ein Technik-Fan war, vermutete ich natürlich das es mit Technik zu tun hat. Auf dem Karton war eine Abbildung, die mir schon etwas mehr sagte – es war ein 3D-Drucker.

Der Anfang

Zu Hause angekommen, wurde die Verpackung sofort geöffnet. Zum Vorschein kamen viele Einzelteile, die zusammengebaut werden wollten. Also wurde Platz gemacht, das Werkzeug hergerichtet und die Anleitung studiert. Dank meines technischen Hintergrunds war der mechanische Aufbau schnell erledigt und der Drucker stand an seinem Platz.

Doch der Schein trügt: Ein 3D-Drucker ist kein gewöhnlicher Papier-Drucker, bei dem man einfach auf „Drucken“ klickt. Das erste, was ich schmerzlich lernte, war das Bed-Leveling. Dabei wird das Druckbett zur Düse nivelliert. Ich musste die Home-Position anfahren und mit den vier Schrauben unter dem Bett den perfekten Abstand finden. Erst danach konnte ich die mitgelieferten 200 g PLA laden.

Mein erster Druck war der Klassiker: ein Benchy. Es war faszinierend, zuzusehen, wie der Drucker Bahn für Bahn und Schicht für Schicht das Material auftrug. Die Begeisterung war geweckt.

Was ich alles gelernt habe

In den letzten Jahren ist die Lernkurve steil nach oben gegangen. Als Elektroinstallateur und Informatiker reizt mich natürlich vor allem die Optimierung der Parameter. Ein entscheidender Punkt war das PID-Tuning. Hierbei wird die Heizleistung dynamisch geregelt, um Temperaturschwankungen am Hotend und Heizbett zu minimieren. Bei meinem Build ziele ich auf Schwankungen von < 1°C ab, um ein sauberes Druckbild zu erhalten.

Auch das Thema Firmware wurde schnell relevant. Da ich den Drucker stark modifiziert habe, kam ich um das Kompilieren einer eigenen Marlin-Firmware nicht herum, um Features wie das Auto-Bed-Leveling oder die Kommunikation mit meinem BTT TFT35 Touchscreen zu ermöglichen.

Slicer-Software wie Cura und OrcaSlicer wurden mein täglich Brot. Hier wird das 3D-Modell in einzelne Schichten zerlegt und in Druckanweisungen umgewandelt. Mit der Zeit habe ich immer mehr Einstellungen verstanden und gelernt, wie man Supports, Infill-Muster und Wandstärken optimal für das jeweilige Objekt wählt. Jeder Fehldruck war dabei eine wertvolle Lernerfahrung.

Der Umbau und die Modifikation

Der ursprüngliche Ender 3 ist kaum noch wiederzuerkennen. Um die Präzision und Zuverlässigkeit zu erhöhen, habe ich tief in die Hardware-Kiste gegriffen:

Extruder: Upgrade auf den Creality Sprite Extruder Pro (Direct Drive), der eine gleichmäßigere Filament-Förderung und bessere Kontrolle über flexible Materialien ermöglicht.

Mainboard: Tausch gegen ein BTT SKR Mini E3 V3.0 – die leiseren TMC2209-Stepper-Treiber machen einen deutlichen Unterschied im Betrieb.

Sensorik: Integration eines CR-Touch für automatisches Bed-Leveling sowie eines BTT Smart Filament Sensors, der Filamentbruch oder -verklemmungen sofort erkennt und den Druck pausiert.

Mechanik: Umbau der X-Achse auf Linearschienen für mehr Stabilität sowie ein zusätzlicher Z-Achsen-Antrieb für eine gleichmäßigere Vertikalbewegung.

Jede dieser Modifikationen hat den Drucker ein Stück verlässlicher, genauer und leiser gemacht. Die Kombination aus Custom-Marlin-Firmware und der neuen Hardware hat den Ender 3 in ein völlig anderes Gerät verwandelt.

Langsam aber Kontinuierlich

Die Reise mit meinem Ender 3 hört hier nicht auf. Es ist ein Prozess des ständigen Verbesserns – Schicht für Schicht. Was als einfacher Bausatz begann, hat sich durch unzählige Stunden des Optimierens, Kalibrierens und Umbauens zu einem hochpräzisen Werkzeug entwickelt. Die Kombination aus technischem Handwerk und der stetigen Suche nach dem perfekten Druckbild macht dieses Hobby für mich so spannend.

Dieser erste Einblick in meine Welt des 3D-Drucks war jedoch erst der Anfang. Mein Setup besteht aus weit mehr als nur Hardware aus Aluminium und Kunststoff. Doch der 3D-Drucker ist nur ein Teil eines viel größeren Puzzles. In den nächsten Beiträgen nehme ich euch mit auf eine Reise durch mein gesamtes digitales Ökosystem: Was ich alles mit dem Drucker erschaffe, wie mein Homeserver läuft, wie ich mein Zuhause mit Smart-Home-Technologien automatisiere, wie mich die rasante Entwicklung der KI fasziniert und beschäftigt, und warum ich bewusst den Weg weg von den großen Tech-Konzernen gehe – hin zu selbst gehosteten Anwendungen auf meinem eigenen NAS und Homeserver. Und natürlich zeige ich, welche Hürden und Herausforderungen ich dabei gemeistert habe.

Es bleibt technisch – bis zum nächsten Mal! 😉